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Abwehrtechniken gegen eine Zahl imaginärer Gegner.
Kumite
bezeichnet alle Kampfübungen mit Partner. Zwei Karateka stehen
sich auf einer Kampffläche gegenüber und versuchen jeweils,
wertbare Stoß-, Schlag- und Trittechniken anzubringen.
Kihon
Der Anfänger in einem Karate-Dojo beginnt zunächst mit der
Grundschule. Sie umfaßt zahlreiche Abwehren, Faust- und
Fußstöße, wobei besonderer Wert auf einen korrekten Stand, auf
Gleichgewicht und Atmung gelegt wird. Die Erlehrnung und
Verbesserung der Techniken hat erste Priorität, um sie z.B. in
Kata oder Kumite anzuwenden.
3.9.1 Woher kommt eigentlich der Name?
Das System wurde To-Te oder Kara-Te genannt, wobei sowohl ,,To'' als
auch ,,Kara'' Lesarten für ein Schriftzeichen sind, das die
chinesische T'ang-Dynastie symbolisiert und auf Okinawa auch für alles
Chinesische gebraucht wurde. Später (ab 1937) wurde nur dieses Zeichen
verändert: Man las es immer noch ,,Kara'', es bedeutete jedoch jetzt
,,leer''.
Das Problem ist nur: Okinawa ist nicht Japan und hat seine eigene
Sprache. Das ,,Te'', das in der alten Bezeichnung verwendet wurde,
hieß nicht ,,Hand'', es bedeutete (wie übrigens auch im Chinesischen)
,,Technik'' oder ,,Kunst''. Also hieß das alte `Karate' ,,China
Kunst'', der neue Begriff aber ,,leere Hand'', denn ,,Te'' auf
japanisch heißt nun wirklich Hand!
3.9.2 Wieviel Katas gibt es eigentlich?
Schwer zu sagen, Anfang des 19. Jahrunderts gab es auf Okinawa 24
Kata. Aus deren Abwandlungen und Schlußfolgerungen entwickelten sich
die meisten heute geübten Varianten der verschiedenen Karatestile.
Heute gibt es in den verschiedenen Stilen des Karate etwa 60 Kata, die
alle ihre Wurzeln in oben genannten 24 Kata haben. Durch Veränderung
innerhalb dieser Kata kommt es aber zu weiteren Verästelungen.
Auch heutzutage werden Kata im traditionellen Sinn gegründet, z.B. die
Gankaku-Sho von Hirakazu Kanazawa. D.h. die Anzahl der Kata ändert
sich, es werden mehr.
Weiter werden im Rahmen stilfreier Wettkämpfe neue Formen als reine
Wettkampfformen gegründet, die man aber nicht als Kata im
traditionellen Sinn bezeichnen kann, weil Sie nur Showzwecken dienen.
Beispielhaft hierfür sind z.B. die Musik'kata' von Jean Frenette.
Diese Formen würde ich aber nicht als Kata im klassischen Sinn
bezeichnen. Davon dürfte es inzwischen hunderte geben - aber mit
Karate hat das eigentlich wenig bis gar nichts zu tun.
3.9.3 Gibt es einen, der wirklich alle Katas gut kann?
Kaum. Die einzelnen (japanischen) Stile haben eine Bandbreite von ca.
20 Katastämmen.
Als Bespiel gibt es im Shotokan die folgenden stilspezifischen
Hauptstämme:
* Heian 1 - 5
* Tekki 1 - 3
* Bassai Dai und Bassai Sho
* Kanku Dai und Kanku Sho
* Hangetsu
* Empi
* Jitte
* Jion
* Gankaku.
Darüber hinaus wird im Shotokan noch geübt:
* Taikyoku 1 und 2
* Sochin
* Nijushiho
* Chinte
* Ji'in
* Maikyo
* Wankan
* Unsu.
Damit sind wir dann bei 16 Stämmen.
Hier gibt es sicher etliche Leute, die in der Lage sind die alle von
den Bewegungsabläufen her können. Es sind aber Zweifel möglich, daß
man dieses "können" im Sinne von "gemeistert haben" verstehen kann.
3.10 Kendô
3.10.1 Was versteht man darunter?
Kendô ist eine ganz klassische Budô-Disziplin und heißt wörtlich
,,Schwert-Weg''. Ken ist das japanische Wort für Schwert. Der Begriff
Dô (jap. Form des chines. ,,Tao'') läßt sich als ,,Lebensweg''
interpretieren (siehe auch Frage 2
) und weist darauf hin, dass es im geduldigen, unermüdlichen Üben
außer auf körperliche und technische Entwicklung auch auf die
Vervollkommnung charakterlicher Eigenschaften ankommt. Zielsetzung ist
es im Kendô, neben Aufmerksamkeit, Ausdauer, Belastbarkeit, Geschick
auch Entschlusskraft, Konzentration und Reaktionsvermögen, sowie
Selbstdisziplin, Verantwortung, Teamgeist und vor allem Fairness zu
fördern.
3.10.2 Wie entstand es?
Die japanischen Krieger übten seit Jahrhunderten den Gebrauch des
Schwertes im Kenjutsu mit vorwiegend technischer Zielsetzung. Nach
Ende der Muromachi-Zeit (1573) entstanden nach und nach unter
ethischen, philosophischen und religiösen Einflüssen aus den
vielfältigen Stilen unzähliger Schulen die einheitlichen Grundlagen
des Kendô, wie sie noch heute bestehen. Modernes Kendô ist eine sehr
,,sportliche'' Kampfkunst, zählt allein in Japan etwa 2 Mio. Aktive,
fand kurz nach 1945 von dort aus auf der ganzen Welt Verbreitung und
kam Mitte der 60er Jahre auch nach Deutschland. Es gibt Turniere auf
regionaler, nationaler und internationaler Ebene bis hin zur
Weltmeisterschaft. Gefördert und geregelt wird diese Entwicklung vom
gesamtjapanischen Kendô-Dachverband, der ,,Zen Nippon Kendô Renmei''.
3.10.3 Worin besteht die Ausrüstung?
Geübt und gekämpft wird mit dem Shinai (,,Bambus-Schwert''). Dieser im
Querschnitt runde Fechtstock wurde vor circa 250 Jahren entwickelt,
besteht aus vier gleich langen Bambusleisten und wird zusammengehalten
von einer Griffhülle (Tsukagawa), einer Kappe an der Spitze (Sakigawa)
und einem Bändchen (Nakayui-gawa) - alles jeweils aus Leder - sowie
einer reißfesten Sehne (Tsuru). Ein rundes Stichblatt (Tsuba) schützt
die Hand. Die Gesamtlaenge beträgt ca. 115 cm, das Gewicht etwa 500
Gramm. Damals entstand auch die bis heute kaum veränderte, archaisch
anmutende Rüstung - aus Maske (Men), Handschuhen (Kote), Brustpanzer
(Do) und Schurz (Tare) - die den Körper sicher schützt und in die vier
fast gleichlautenden Trefferzonen (Kopf, Kehle, Handgelenk und Rumpf)
aufgeteilt ist. Die Kleidung besteht aus einer Jacke (Keiko-gi) und
einer weiten Hose (Hakama) sowie einem Kopftuch (Tenugui/Hachimaki)
unter der Maske.
3.10.4 Wie lauten die Grundregeln?
Im Turnierkampf (Shiai) begegnen sich zwei Opponenten (Aite) auf einer
quadratischen Fläche (Shiaijô) von etwa 10 x 10 m im Beisein von drei
Schiedsrichtern (Shimpan). Das Duell ist in dem Moment entschieden,
wenn einer der beiden Gegener als erster einen korrekten zweiten
Punkt, d.h. gültigen Treffer auf einer der erlaubten Partien beim
anderen erzielen kann (2:0). Es gewinnt auch, wer bei Ende der
Kampfzeit (von drei oder fünf Minuten) mit nur einem Punkt in Führung
liegt (1:0). Ebenfalls möglich sind Unentschieden (Hikiwake) (0:0 oder
1:1). Bei einem Regelverstoß wird dem benachteiligten Kämpfer ein
halber Punkt gut geschrieben. Ist zur Entscheidung in Finalkämpfen
eine Verlängerung (Enchô) notwendig, bringt der erste Treffer in der
Nachrunde den sofortigen Sieg (Shôbu).
Ein Treffer (Ippon) gilt ausschließlich dann, wenn alle folgenden
Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
* Eins der zulässigen Ziele muss aus idealem Abstand (Ma-ai) in
exakter Technik (Waza) mit dem vorderen Shinai-Drittel (Mono-uchi)
getroffen werden.
* Der Angreifer muss aufrechte Körperhaltung und Gleichgewicht
wahren und darf nicht selbst vom gegnerischen Shinai getroffen
werden.
* Beim Hieb (oder Stich (Tsuki)) ist im gleichen Augenblick mit dem
vorderen Fuß fest aufzutreten.
* Entschiedenheit des Angriffs und Kontrolle über den Gegner müssen
im Kampfschrei (Kiai) zum Ausdruck kommen. Dieser benennt auch das
Ziel, darf es aber nicht ankündigen.
* Unmittelbar nach dem Angriff muss der Kämpfer seine Aufmerksamkeit
(Zanshin) und damit die Kontrolle aufrecht erhalten.
3.10.5 Was ist noch zum Kendô zu sagen?
Kata gibt es ebenfalls im Kendô. Sie wird zu zweit ohne Rüstung mit
Holzschwertern (Bokutô/Bokken) geübt. Die standardmaessige japanische
Kendô Kata umfasst sieben Langschwert- und drei Kurzschwert-Formen.
Das Graduierungssystem reicht vom 6. Kyû bis zum 10. Dan. Gürtel (und
Farben) gibt es jedoch nicht. Dachverband und offizielle
Prüfungsinstanz in Deutschland ist der Deutsche Kendobund e.V. (DKenB)
mit Sitz in Berlin (Mitglied der International Kendo Federation IKF
und der European Kendo Federation EKF) - http://www.dkenb.de/.
Unterhalb gibt es regionale Verbände auf Landesebene, in denen
zahlreiche Vereine organisiert sind. Abgesehen davon bestehen einzelne
nicht organisierte Vereine oder Schulen, die Kendô z.T. ohne
sportbetonte Zielsetzung betreiben.
Kendô ist in Ausrüstung und Stil stark verwandt (nahezu gleich) mit
dem koreanischen Kumdô, das sich aber auf eigene Traditionen beruft.
In ideeller Hinsicht besteht bei allen formalen Unterschieden eine
enge Beziehung zwischen Kendô und Iaidô.
3.11 Kobudo
Kobudo ist eine alte Kampfkunst aus Okinawa, in ihr wird der Umgang
mit den Bauernwaffen Bo (Langstock), Hanbo, Kama (Reissicheln), Tonfa
(heute findet es als MES bei der Polizei Einsatz) und Sai (Stahlgabeln
oder Schwertbrecher genannt) unterrichtet. Weiter Infos gibt es auf
der Kobudo Homepage unter http://www.kobudo.de/.
3.12 Kwon Tae Jitsu
Das ist eine Kampfsportart, die von Winfried Anders - 6. Dan TKD und
6. Dan Jiu Jitsu - vor nicht allzu langer Zeit entwickelt wurde. Er
versucht Elemente aus beiden zu einer perfekten
Selbstverteidigungskampfsportart zusammenzufügen (wie viele andere
auch).
3.13 Pencak Silat
Pencak Silat ist eine Kampfkunst, die aus Indonesien stammt.
Das Word ,,PENCAK'' kommt aus Java und bezieht sich auf Kampfkünste
aus dieser Region. ,,PENCA'' ohne k ist die Sunda Schreibweise.
,,PENCAK'' mit k ist eine Vokabel aus Bahasa Indonesia, der
Nationalsprache. Dieser Begriff veranschaulicht die Bewegung oder
Schönheit der Kampfkunst.
Das Wort ,,SILAT'' wird in Sumatra, auf den Philippinen, in Malaysien,
Singapur, Brunai und anderen Südostasiatischen Regionen verwandt. Es
bezieht sich auf das tatsächliche Kämpfen.
Die alte Schreibweise ,,PENTJAK'' mit ,,TJ'' anstatt ,,C'' ist auf
Indonesiens Zeit als holländische Kolonie zurückzuführen. Sie wird in
Indonesien selbst deshalb nicht mehr verwendet.
In Malayien wird diese Kampfkunstform als ,,BERSILAT'' bezeichnet. Auf
den Philippinen hingegen heißt sie nur Silat oder kann auch unter den
Begriff Kun Tao fallen.
Es ist leider kaum möglich einzugrenzen, was oder wie Pencak Silat
ist. Die Zahl der Inseln, die es in Indonesien gibt, wird vielleicht
nur noch von der Zahl der Silatstile übertroffen.
Pencak Silat zu sehen reicht nicht aus, um es zu verstehen. Ein
Kampfkünstler muß Pencak Silat erleben. Erst dann erfasst er das
verbindende Element.
Weitere Informationen zu Pencak Silat gibt es unter http://psmm.de/.
3.14 Wing Chun
Wing Chun ist ein südchinesischer Kung Fu Stil. Zielsetzung des Wing
Chun ist ein effektives Kampf- und SV-System. Nicht eine Vielzahl von
Techniken, sondern Prinzipien werden im Unterricht vermittelt. Wing
Chun selber beinhaltet nur ganz, ganz wenige Techniken. Generell
propagiert Wing Chun eine aggressivere Vorwärtsverteidigung als viele
andere Kampfsportarten.
Wing Chun kennt viele unterschiedliche Wege. Neben dem bekannten
Großmeister Yip Man, gibt es mit dem Pan Nam auch noch eine
Nebenlinie.
Vom Großmeister Yip Man leitet sich der Großteil, des uns hier in
Deutschland bekannten Wing Chun ab. Generelle Linie der von der VTAA
in Deutschland unterrichtenden Meister ist:
Yip Man
/ / | \ \ \
Shun Leung Lok Yiu Wong Shun Leung Yip Chun Chan Wah Chan Shing
| | | | Chit |
Leung Ting / \ | |
| | Barry Lee Das ist der meist Juergen
K. Kernspecht Wilhelm Blech Philipp Bayer DWCV England Reiske
Weiterhin gibt es die Chi Sim Ving Tsun Schule, die eine direkte
Abstammungslinie zu den Shaolin Mönchen hat.
Fuer das Wing Chun gibt es vier Kampfprinzipien. Hier ein kurzer
Umriß:
1. Ist der Weg frei, stoße vor.
Das gilt für Arme und Beine (deshalb auch "Universallösung" im
"Vom Zweikampf", K.R. Kernspecht, WuShu-Verlag).
2. Triffst Du auf Widerstand, bleib kleben!
Sobald ich Kontakt (mit Armen oder Beinen) habe, weiß ich auch,
was der Gegner macht, wohin sein Druck/Schlag geht, etc.
Hier gibt es allerdings auch gegenteilige Meinungen, die besagen,
daß in dem Fall, daß eine Technik ohne Erfolg bleibt, diese durch
eine andere zu ersetzen ist.
3. Ist der Gegner zu stark, gib nach!
Hier setzen die vier passiven Reflexe des WT (ggf. mit Wendung)
ein. Durch diese Reflexe kommt man in eine Position, die den
Gegner oeffnet und einen eigenen Angriff erlaubt.
4. Zieht sich der Gegner zurueck, folge!
Es soll dem Gegner nicht ermöglicht werden, sich neu zu sammeln
und einen neuen Angriff zu starten.
Diese Prinzipien gelten nun natürlich nicht für das Wing Chun, das
Wong Shun Leung gelehrt hat. Seine sahen wie folgt aus:
1. Zuschlagen (Lat Sau Jik Chung)! Wong Shun Leung Wing Chun ist für
den Straßenkampf entwickelt. Es geht darum, den Angreifer
schnellstmöglich auszuschalten. Dabei ist jedes Mittel erlaubt. Es
wird kein Kontakt zu den gegnerischen Armen gesucht.
2. Greif der Gegner zuerst an, unterbreche seinen Angriff (Loi Lau)!
Das geschieht durch Fauststoß und entsprechende Schrittarbeit.
3. Zieht der Gegner die Hände zurück und macht damit den Weg frei,
folgt man, bis man schließlich sein Ziel erreicht hat (Hoi Sung).
Man muß nur den Armen folgen und erreicht so den Kopf des anderen.
4. Chi Sau Reflexe kommen erst ins Spiel, wenn es zu einem Kontakt
mit den gegnerischen Armen kommt.
5. Lebe friedlich!
Gelegentlich stößt man auch auf die Schreibweise "Wing Tsun." Diese
wird allerdings ausschließlich für Leung Ting Wing Chun verwendet.
Dazu gibt es auch eine kleine Anekdote:
Yip Man hatte einen Schüler, der war Journalist. Der wiederum war mit
einem Engländer befreundet, der einen Artikel in einer englischen
Zeitung schrieb. Dazu bedurfte es erstmalig einer Transkription.
Yip Man wählte die Schreibweise Ving Tsun. Tsun war die offizielle
Transkription und das V in ,,Ving'' lehnte er, an den englischen
Vornamen Victoria an. Victoria war der Name der damaligen Kronkolonie.
Victoria war der Name der englischen Königin. Und genauso wie Ving
Tsun war auch Victoria ein Frauenname, der zutreffenderweise auch die
Siegreiche bedeutet.
Die Schreibweise ,,Wing Chun'' ist allerdings im angloamerikanischen
Sprachraum die praktischere. Sie kann von den Amerikanern sofort
richtig ausgesprochen werden. Diese Schreibweise verwendete Bruce Lee.
3.14.1 Der Ursprung des Wing Chun
Die Herkunft des Wing Chun ist sehr von Legenden umgeben. Eine lautet
wie folgt:
Gegründet wurde es von der Nonne Ng Mui, die es einem Mädchen namens
Wing Chun beibrachte.
Dier erste historisch verbürgte Persönlichkeit scheint ein Apotheker
namens Leung Jan zu sein, der einen Ruf als unbesiegbarer Kämpfer
hatte. Zu seinen Schülern gehörten seine beiden Söhne, sowie ein
gewisser Chan Wah Shum.
Chan Wah Shum hat immer wenige Schüler auf einmal gehabt. Zu seiner
letzten Gruppe gehörte ein 13-jähriger Junge namens Yip Man. Als Yip
Man 16 Jahre Alt war, verstarb Chan, und die Grupper trainierte allein
weiter. Als Yip Man 18 Jahre alt war, zog er nach Hongkong, wo er
einen Sohn von Leung Jan traf, und mit ihm trainierte. Nach zwei
Jahren zog Yip Man wieder zurück nach Fatshan, aber seine Mitschüler
beschuldigten ihn, ,,andere'' Techniken in das System mit
einzubringen. Deshalb ist er wohl nicht lange bei seiner alten Gruppe
geblieben.
Jahre später, bedingt durch den Krieg und die Revolution, zog Yip Man
wieder nach Hongkong. Dort veränderte er den Stil und begann, ,,sein''
Wing Chun zu unterrichten. Er hat den Stil wohl entsprechend seinen
erfahrungen mehrere Male verändert. So war z.B, die Holzpuppenform
ursprünglich sehr lang, und Yip Man hat sie in Hongkong auf 108
Bewegungen (108 ist in China eine mystische Zahl) reduziert. Später
fand er dann, daß doch noch ein paar Techniken reingehören, und
erweiterte sie auf die heutigen 116.
4 Graduierungen
4.1 Sind die Graduierungund und Gürtelfarben überall gleich?
Gewiß nicht. Aber im Deutschen Dan Kollegium gibt es sechs
Schülergrade (Kyu) und zehn Meistergrade (Dan). Dieses
Graduierungssystem ist sowohl im Jûdô als auch im Ju Jutsu
beziehungsweise im J(i)u Jitsu verbreitet.
Prüfungen gibt es hierbei nur bis zum 5. Dan. Die höheren
Graduierungen werden für langjährige und verdienstvolle Tätigkeiten
für den Budosport verliehen. Träger des 9. und 10. Dan sind allerdings
selbst in Japan nur spärlich zu finden. Es sind Auszeichnungen für
Meister, die ihr gesamtes Leben der Kampfkunst gewidmet haben.
Kyu-Grade
6. Kyu (Rok Kyu)
weißer Gürtel (Shiro Obi)
5. Kyu (Go Kyu)
gelber Gürtel (Kiiro Obi)
4. Kyu (Shi Kyu)
orangfarbener Gürtel (Daidaiiro Obi)
3. Kyu (San Kyu)
grüner Gürtel (Midori Obi)
2. Kyu (Ni Kyu)
blauer Gürtel (Aori Obi)
1. Kyu (Ik Kyu)
brauner Gürtel (Chairo Obi)
Dan-Grade
1. Dan (Sho Dan), 2. Dan (Ni Dan), 3. Dan (San Dan), 4. Dan (Shi Dan)
und 5. Dan (Go Dan)
schwarzer Gürtel (Kuro Obi)
6. Dan (Roku Dan), 7. Dan (Shichi Dan) und 8. Dan (Hachi Dan)
rot-weißer Gürtel (Shima Obi)
9. Dan (Ku Dan) und 10. Dan (Ju Dan)
roter Gürtel (Aka Obi)
4.2 Gibt es bei KungFu/WuShu eigentlich auch Graduierungen?
Ja und Nein. Generell sind Graduierungen im Kung Fu nicht vorhanden.
Stile kannten keine Graduierungen, weil sie zu den Zeiten des
Boxer-Aufstandes in Geheimgesellschaften oder nur von Generation zu
Generation gelehrt wurden. Erst seit diese Stile auch an die
öffentlichkeit gelangt sind, ist eine Einteilung in verschiedene
Lernstufen notwendig geworden. Es sind vor allem europäische
Organisationen, die sich hier vom Familiensystem zu dem straffer
organisierten Verfahren hinwenden.
Im WingTsun gibt es 12 Schülergrade. Zu jeder geraden Graduierung gibt
es ein neues Abzeichen: grün (2), gelb (4), weiss (6), blau (8),
hellrot (10) und dunkelrot (12). Erst danach beginnen die eigentlichen
Graduierungen - die Technikergrade.
Schüler tragen eine schwarze Hose und weiße (oder graue bei höherer
Graduierung) Oberkleidung. Ausbilder tragen schwarze Oberkleidung.
Die Graduierungsabzeichen werden auf die Oberkleidung (meist
T-Shirt/Pullover) genäht bzw. sind bei Technikergraden auf der
Kleidung bereits ,,fest installiert''.
5 Was hat es mit diesen Bruchtests auf sich?
Immer wieder, wenn Kampfkünste bei Vorführungen vorgestellt werden,
darf der Bruchtest nicht fehlen.
Der ,,Kyokpa'' (korean.) ist aber nur ein kleiner Teil des Ganzen und
gehört nicht zu den normalen Trainingsinhalten, obwohl er bei
Prüfungen gezeigt und bei Vorführung spektakulär präsentiert wird. Er
dient dem übenden als Indikator für die Stufe seiner geistigen und
körperlichen Entwicklung. Wenn der Schüler noch nicht so weit ist,
einen Bruchtest auszuführen, so muß er mit Gewalt und Verletzungen das
ausgleichen, was ihm andere an Technik und sonstigem Können voraus
haben. Es geht um das perfekte Zusammenspiel der körperlichen und
geistigen Leistungsfähigkeit, denn im Bruchteil einer Sekunde muß das
gesamte Denken und Handeln in einem einzigen Punkt des Körpers
konzentriert werden.
Um das scheinbar unüberwindbare Material zu brechen ist eine
harmonische Aktivierung der vollen geistigen und körperlichen
Kapazität notwendig, basierend auf langjährigem Training der
Kampfkunst mit ihren Techniken und der rechten Haltung im geistigen
Sinn ,,Do'').
Die wichtigsten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bruchtest
sind:
Kraft:
Die Fähigeit, eine Masse zu bewegen, einen Widerstand zu
überwinden oder ihm durch Muskeleinsatz entegenzuwirken.
Schnelligkeit:
Die Fähigkeit,Bewegungen mit hoher Geschwindigkeit auszuführen.
Koordination:
Die Fähigkeit, schwierige Bewegunsabläufe zu verstehen und
umzusetzen, sowie schnell, den Anforderungen der Situation
entsprechend zu verändern.
Beweglichkeit:
Die Fähigkeit, Bewegungen mit großer Schwingungsbreite der
Gelenke auszuführen.
Geistig:
Konzentrationsfähigkeit, Mut, Wille,
Selbstdisziplin,Selbstvertrauen, Zielstrebigkeit,
Imaginationsfähigkeit.
Die Bruchtestarten
Es gibt grundsätzlich drei unterschiedliche Arten des Bruchtest, die
man in den Standardbruchtest, den Massebruchtest und den
Geschwindigkeitsbruchtest unterscheidet.
Standardbruchtest
Beim ,,Standardbruchtest'' wird die Technik auf ein Brett mit einer
dem Gürtelgrad entsprechenden Dicke (siehe Bruchtestmaterial)
ausgeführt, wobei dieses an mindestens zwei Seiten von einem oder
mehreren Personen festgehalten wird. Dieser Bruchtest wird bereits von
Schülern (ab 6. Kup/Grün-Gürtel) bei Prüfungen abgefragt und erfordert
ein ausgewogenes Verhältnis der o.g. Voraussetzungen.
Massebruchtest
Beim ,,Massebruchtest'' ist ein enormer Kraftaufwand erforderlich, der
hauptsächlich durch die Körpermasse zustande kommt. Hier werden
mehrere Bretter, Steine, etc aufeinander gelegt oder besonders dickes
Material gewählt, das unbedingt sicher und stabil aufgelegt oder
gehalten werden muß, damit es nicht nachgeben kann und bei
ausreichender Krafteinwirkung bricht.
Da bei diesen Bruchtests viel Masse bewegt wird, kann vergleichsweise
keine hohe Geschwindigkeit erreicht werden. Die Einbeziehung des
ganzen Körpers in der Technik ist daher besonders wichtig.
Bruchtests auf geschichtete Materialien werden übrigens deutlich
erleichtert, wenn zwischen jeder Schicht Abstandhalter eingelegt
werden. Auf diese Weise überträgt z. B. ein gebrochenes Brett den
Impuls auf das nächste usw., was einer Art Kettenreaktion gleichkommt.
Der enorme Schwierigkeitsgrad sollte aber im Einzelfall trotzdem nicht
verkannt werden.
Massebruchtests erfordern langjährige Erfahrung und hohes Maß an
Können. In Prüfungen werden sie in der Regel nur bei höheren
Meistergraden verlangt, und dann ohne Abstandhalter.
Geschwindigkeitsbruchtest
Beim ,,Geschwindigkeitsbruchtest'' wird das Material mit nur einer
Hand an der Unterseite gehalten, einfach aufgestellt, an einem Faden
aufgehängt oder frei in die Luft geworfen (höchste
Schwierigkeitsstufe). Da es wie jeder Körper bestrebt ist, den Zustand
beizubehalten, in dem es sich gerade befindet (Trägheit), kann es
brechen, wenn die Belastung durch den Impuls so plötzlich auftritt,
daß es sich nicht schnell genug zurückbewegen kann.
Bei einer langsamen Technik würde das Material ungebrochen
zurückweichen. Es ist daher wichtig, durch den Einsatz von
verhältnismäßig wenig Körpermasse, die Körperwaffe stark zu
beschleunigen und eine extrem hohe Geschwindigkeit zu erreichen.
Auch dieser Bruchtest erfordert langjährige Erfahrung und hohes Maß an
Können. In Prüfungen werden Geschwindigkeitsbruchtests in der Regel
nur bei Meistergraden ab dem 2. DAN verlangt.
5.1 Was sind das für Bretter, die immer zerbrochen werden?
Diese Bretter sind immer aus Fichte. Die Maße (hier: TKD) sind
vorgegeben:
Gruppe Alter B x H x T
Kinder < 15 Jahre 30 x 30 x 1
Jugendliche < 18 Jahre 30 x 30 x 2
Frauen >= 18 Jahre 30 x 30 x 2
Männer >= 18 Jahre 30 x 30 x 3
Die Zahlenangaben in der letzten Spalte stehen dabei für "Breite x
Höhe x Tiefe". Die Maße sind alle in cm gegeben.
_________________________________________________________________
Weiterführende Informationen zu Bruchtests in den Kampfkünsten gibt es
unter http://www.bruchtest.de/.
6 Was ist ein Sensei?
Als Sensei (frei übersetzt etwa ,,Der vor uns da war'', häufig auch
schlicht ,,Lehrer'') bezeichnet man in einigen traditionellen
japanischen Kampfkünsten einen Meister ab dem 3. Dan.
Vorher (also 1. und 2. Dan) ist man ein Sempai (übersetzt etwa wie
Senior). Es gibt auch noch den Kohei (soviel wie Helfer), das sind
dann Schülergrade (1. Kyu). In dieser Hierarchie hat der Sempai die
Rolle eines Mentoren für den Kohei inne. über dem Sensei steht noch
der Shihan (Lehrer), das ist man dann ab dem 6. Dan.
In anderen Stilen (z.B. traditionellem Karate) ist man tatsächlich
erst ab dem 5. Dan ein Sensei. Dabei unterscheidet man zwischen
Yudansha (technische Meistergrade 1.-4. Dan) und Kodansha (geistige
Meistergrade 5.-10. Dan).
Das war die Theorie. In der Praxis wird oft der höchste Dangrad, der
dann meist auch das Training hält als Sensei bezeichnet.
Aber ein Sensei ist mehr als nur eine Trainer. Er ist ein Lehrer und
sollte auch irgendwie eine ,,geistige'' Leitfigur und unter Umständen
Ansprechpartner in (fast) allen Lebenslagen für seine Schüler sein.
Also eine Vertrauensperson.
7 Was ist ein Hakama?
Generell ist es eine ,,Hose'', wobei der Schnitt ein bißchen
großzügiger als bei unseren klassischen Hosen ausfällt. Ursprünglich
waren es Reiterüberhosen, die die Beine der Reiter schützen sollten
(funktional ähnlich den ledernen ,,Chaps'' bei Reitern), daher aus
schwererem Stoff.
In der Edo-Periode war der Hakama dann vorgeschriebene Bekleidung der
Samurai-Klasse, und somit ein Standeskennzeichen ähnlich den zwei
Schwertern (Daisho).
Der gerne erzäehlten Geschichte, dass der lose Schnitt des Hakama beim
Fechten die Fussbewegungen verdecken sollte, widerspricht die
Tatsache, dass die Samurai den Hakama aufgekrempelt und in den Obi
(Gürtel) gesteckt haben, wenn sie sich auf einen Kampf vorbereiten
konnten.
8 Und was ist ein X-Over?
Dabei handelt es sich um ein in lockerer Folge stattfindendes Treffen
von Teilnehmern der Newsgruppe. Einzelne Personen stellen dabei die
von ihnen ausgeübten Kampfkünste in circa einstündigen Präsentationen
vor. Heraus kommt dabei ein ,,Crossover'' (X-Over) Lehrgang, der die
verschiedensten Stile vereint. Im Anschluss an den Lehrgang (bei
zweitägigen natürlich mittendrin) gibt es auch noch ein ,,geselliges
Beisammensein'' zur Erkundung des Nachtlebens des gerade aktuellen
X-Over-Austragungsortes.
Die Organisation eines X-Overs erfolgt jeweils von Freiwilligen, die
die entsprechenden Lokalitäten verfügbar haben. Meldungen, diese Rolle
ebenfalls einmal zu übernehmen, werden gern gesehen.
Bilder bisheriger X-Over gibt es unter folgenden URLs:
* http://www.fdweb.de/xover.html: 2. X-Over im April 1999 in
Nürnberg
* http://www.jkdberlin.de/pictures/otherseminars/3xoverinetsem/3xove
r.htm: 3. X-Over im Oktober 1999
9 Wo gibt es Informationen über sinnvolles Dehnen?
Eine brauchbare deutsche Online-Quelle zum Thema Dehnen (Stretching)
scheint es nicht zu geben. Eine englischsprachige FAQ zu dem Thema
gibt es allerdings. Sie ist unter
http://www.enteract.com/~bradapp/docs/rec/stretching/ zu finden.
Zur Empfehlung eines (klassischen) Buches zum Thema Dehnung siehe auch
11
(,,Offline Literatur'').
10 Regelmäßige Postings in dieser Gruppe
Neben dieser FAQ wird einmal im Monat von Michael A. Bode
eine "Wer ist wer"-Liste gepostet. Diese Liste enthält
den Namen, die E-Mail Adresse, das Alter, die Graduierungen und den
Verein, dem einige der hier vertretenen Sportler angehören. Diese
Liste wird primär als Information für Neulinge gepostet.
11 Offline Literatur
Bücher sind manchmal besser als ein schlechter Lehrer, ersetzen können
sie einen Lehrer jedoch nie! Trotzdem gibt es hier jetzt eine Liste
von Büchern, die in der Newsgruppe für wertvoll erachtet werden.
11.1 Welche allgemeine Literatur ist empfehlenswert?
* ,,Das Lexikon der Kampfkünste''
Autor: Werner Lind
Verlag: Sportverlag Berlin
ISBN: 3-328-00838-1 bzw. 3-328-00898-5
Preis: Euro 19,95
Beschreibung: Es ist die zweite Auflage des wohl umfassendsten
deutschsprachigen Lexikons zum Thema der Kampfkünste besonders des
ostasiatischen Raumes.
* ,,El-Juramentado''
Beschreibung: Es handelt sich hier um kein Buch sondern eine
Zeitschrift. Sie erscheint einmal im Jahr. Thema sind die
philipinischen Kampfkünste, teils Berichte über Meister,
Wettkämpfe oder historische Hintergründe
Bezugsquelle: Quick Stick
c/o Alfred Plath
Burgstraße 39
46519 Alpen
Tel.: + 49 (0) 2802 - 4151
Fax: + 49 (0) 2802 - 4152
Preis: DM 6,- (Euro?)
* ,,Psycho-Training im Kampf- und Budo-Sport''
Autor: Horst Tiwald
Verlag: Czwalina
ISBN: 0342-457X
Beschreibung: Es ist ein Buch zur theoretischen Grundlegung des
Kampfsports aus der Sicht einer auf dem Zen-Buddhismus basierenden
Bewegungs- und Trainingstheorie.
* ,,Grosse Budomeister''
Autor: Julia Karzau
Verlag: Sport-Verlag Berlin
ISBN: 3-328-00823-3
Preis: Euro 20,00
Beschreibung: Eine 21-jährige Karatekarin aus dem Umfeld von
Werner Lind gibt die Biographien von Kano, Funakoshi und Ueshiba
wider. Die Texte scheinen historisch fundiert, aber auch
respektlos geschrieben. Ein sehr entspannter Schreibstil gestaltet
das Buch angenehm lesbar.
11.2 Was ist ein gutes Einsteigerbuch zum Jûdô?
* "Jûdô lernen"
Autor: Ulrich Klocke
Verlag: Dieter Born
Beschreibung: Dieses Buch führt Anfänger systematisch in die
Grundlagen des Jûdô ein. Als offizielles Lehrbuch zur neuen
Ausbildungs- und Prüfungsordnung geht es dabei auf die Techniken
des 8. bis zum 5. Kyu (weiß-gelber bis oranger Gürtel) ein.
* "Jûdô anwenden"
Autor: Ulrich Klocke
Verlag: Dieter Born
Beschreibung: Dieses Buch ist die logische Vortsetzung von "Jûdô
lernen." Es konzentriert sich auf die Techniken der ausstehenden
Kyu-Grade 4 bis 1 (orange-grüner bis brauner Gürtel).
11.3 Was ist ein gutes Einsteigerbuch zu Ju-Jutsu?
Olaf Giermann empfiehlt:
* Titel: ,,Ju-Jutsu Basistechniken''
Autor: Georg Kulot
Verlag: Falkenverlag
* ,,Ju-Jutsu Wettkampf''
Autor: Georg Kulot
Verlag: Falkenverlag
Beschreibung: Das Buch ist von 1986. Zum damaligen Zeitpunkt war
es ein sehr gutes und praxisnahes Buch. Im Laufe der Zeit hat sich
der Kamp aber immer mehr zu einem eigenständigen System entwickelt
- neue Techniken, Taktiken usw. Zum heutigen Zeitpunkt zählt es
allerdings der Autor selbst zum "modernen Antiquariat". Falls man
günstig an das Buch herankommt, ist es für Einsteiger zum
Reinschnuppern aber noch gut geeignet. Ein erfahrener Wettkämpfer
wird allerdings wohl wenig neues darin entdecken.
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