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<2003-03-27> FAQ zu de.rec.sport.budo |
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Archive-name: de/sport/budo-faq Posting-Frequency: monthly URL: http://www.de-rec-sport-budo.de/budo-faq.html Copyright: (c) 1998-2003 Roland JesseFAQ zu de.rec.sport.budo Kampfsport/-kunst, Selbstverteidigung und Meditation. Letzte Änderung: 27. März 2003 Überblick Änderungen seit dem letzten Monat Verfügbarkeit 1 Charta 2 Was bedeutet eigentlich Budo? 3 Was für Kampfsportarten werden hier denn so vertreten? 3.1 Aikido 3.2 Filipino Martial Arts 3.3 Gojutedo 3.4 Hapkido 3.5 Iaidô 3.6 Jeet Kune Do 3.7 Jûdô 3.7.1 Prinzip 3.7.2 Ziele 3.7.3 Graduierungen 3.7.4 Techniken 3.7.5 Wettkampf 3.7.6 Stimmt es, dass ein Deutscher maßgeblich an der Entwicklung des Jûdô beteiligt war? Die Geschichte Die Meinung dazu 3.8 Ju Jutsu 3.8.1 Was ist der Unterschied zwischen Ju Jutsu und J(i)u Jitsu? 3.8.2 Wie sehen die Wettkämpfe im Ju Jutsu aus? 3.9 KarateDo 3.9.1 Woher kommt eigentlich der Name? 3.9.2 Wieviel Katas gibt es eigentlich? 3.9.3 Gibt es einen, der wirklich alle Katas gut kann? 3.10 Kendô 3.10.1 Was versteht man darunter? 3.10.2 Wie entstand es? 3.10.3 Worin besteht die Ausrüstung? 3.10.4 Wie lauten die Grundregeln? 3.10.5 Was ist noch zum Kendô zu sagen? 3.11 Kobudo 3.12 Kwon Tae Jitsu 3.13 Pencak Silat 3.14 Wing Chun 3.14.1 Der Ursprung des Wing Chun 4 Graduierungen 4.1 Sind die Graduierungund und Gürtelfarben überall gleich? Kyu-Grade Dan-Grade 4.2 Gibt es bei KungFu/WuShu eigentlich auch Graduierungen? 5 Was hat es mit diesen Bruchtests auf sich? Die Bruchtestarten Standardbruchtest Massebruchtest Geschwindigkeitsbruchtest 5.1 Was sind das für Bretter, die immer zerbrochen werden? 6 Was ist ein Sensei? 7 Was ist ein Hakama? 8 Und was ist ein X-Over? 9 Wo gibt es Informationen über sinnvolles Dehnen? 10 Regelmäßige Postings in dieser Gruppe 11 Offline Literatur 11.1 Welche allgemeine Literatur ist empfehlenswert? 11.2 Was ist ein gutes Einsteigerbuch zum Jûdô? 11.3 Was ist ein gutes Einsteigerbuch zu Ju-Jutsu? 11.4 Und ein Buch zu WT? 11.5 Ein Buch über Dehnung? Gibt es das auch? 12 Kampfkunst URLs Budo allgemein Aikido Bujin Jûdô J(i)u J(i)utsu KarateDo Kenpokan Kobudo Kwai Pencak Silat Pekiti-Tirsia Taekwon Do WingTsun 13 Internet Relay Chat (IRC) 14 Danksagungen Änderungen seit dem letzten Monat 12 Kampfkunst URLs: Homepage des Kampfkunst-Boards aufgenommen sowie kleine Linkkorrekturen veranstaltet. Verfügbarkeit Diese FAQ wird einmal pro Monat in de.rec.sport.budo, de.answers und news.answers gepostet. Sie ist weiterhin als HTML, im PDF Format und als Postscript auf der Homepage zur Newsgruppe (http://www.de-rec-sport-budo.de/) verfügbar. 1 Charta Die Gruppe dient zur Diskussion über Budo-Disziplinen und artverwandte Sportarten unter Aktiven und Interessierten. Wesentlicher Bestandteil der Budo-Disziplinen sind Kampfsportarten bzw. -künste, wie z.B. Jûdô, Jiu-Jitsu, ATK, Karate, Taekwon-Do, Aikido und Kung-Fu. Aber auch Meditationstechniken und -lehren u.ä. zählen zu den Budo-Disziplinen. Artverwandt in diesem Sinne sind Sportarten, die neben dem Kampfaspekt auch mentale/philosophische Elemente ähnlich der klassischen Budo- Disziplinen oder Techniken aus diesen beinhalten (z.B. Lehren der Selbstverteidigung); (Kick-)Boxen, Ringen u.ä. zählen nicht direkt hierzu, Artikel zu diesen Themen werden aber geduldet. Sportarten, die rein zur Show dienen (Wrestling etc.), sind offtopic. Mögliche Themen in dieser Newsgroup (exemplarisch): * Terminaustausch von Turnieren, Prüfungen und Lehrgängen, * Vorstellung, Diskussion und Kritik von Literatur, * Austausch von Bezugsquellen für Kleidung und Utensilien, * Berichte und Diskussion über Events und Trainingsmethoden und * Bekanntgabe und Diskussion von neuen Reglementierungen. 2 Was bedeutet eigentlich Budo? Der Begriff Budo umfaßt ein weites Spektrum. Dieses beginnt bei der einfachen Betrachtung als "Kampfsport." Aber Budo ist mehr. Budo zu praktizieren, bedeutet, die Idee, Philosophie und Prinzipien zu verinnerlichen. Hier ist der Weg das Ziel. Das Lexikon "Ostasiatische Kampfkünste" definiert Budo als "überbegriff für die japanischen Kampfkunstmethoden, die sich unter dem Aspekt des Weges (-> DO) aus dem Bujutsu (Technik des Kriegers) entwickelten." 3 Was für Kampfsportarten werden hier denn so vertreten? 3.1 Aikido Aikido wurde in der ersten Haelfte des 20. Jahrhunderts von Morihei Ueshiba auf Grundlage des Daito-ry Aikijujitsu und japanischer Schwertkampfsysteme entwickelt. Die heute bekannteren Formen des Aikido entsprechen am ehesten dem, was Ueshiba in ungefähr den 60er Jahren praktizierte; aber auch Stile, die auf früheren Stadien beruhen, werden noch gepflegt. Ueshiba hat in den frühen Stadien seiner Entwicklung diverse Namen für seine Kunst benutzt, die Bezeichnung "Aikido" kam erst nach Beendigung des 2. Weltkriegs in Gebrauch. Aikido ist eine friedvolle Budo-Disziplin, die im technischen Bereich darauf basiert, daß die Bewegung des Angreifers vom Verteidiger weitergeführt und in Kreis- und Spiralbahnen umgelenkt wird. Das Gleichgewicht des Angreifers wird so gebrochen und er kann mit einem kleinen Impuls geworfen oder mit einer Hebeltechnik am Boden festgehalten werden. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, den Angreifer zu verletzen oder ihm Schmerzen zuzufügen, sondern nur darum, den Angriff zu neutralisieren und den Angreifer in seiner aggressiven Handlungsweise zu "korrigieren". Der Aspekt der Selbstverteidigung tritt im Training zunächst gegenüber anderen Inhalten wie Koordination der eigenen Bewegung mit der des Angreifers zurück. ähnlich wie beim Laufenlernen kommen zunächst die Stadien des Robbens, Krabbelns, etc. bis man sich soweit entwickelt und die Prinzipien soweit verinnerlicht hat, daß eine effektive Verteidigung möglich ist. Neben den waffenlosen Bewegungen gibt es auch Techniken mit den Waffen Jo (Stab, ca. 1.20m lang), Tanto (Messer) und Ken (Schwert), die je nach Schule oder Stil in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung und in verschiedenen Formen eingeführt werden. Die unterschiedlichen Stile gehen meist auf Schüler des Begründers zurück, die zu unterschiedlichen Zeiten bei diesem trainierten und so verschiedenen technischen Einflüssen ausgesetzt waren. Nach dem Tode Morihei Ueshibas konnten/wollten nicht alle dessen Sohn als neuen `Vorgesetzten' akzeptieren und verselbständigten sich zum Teil mit eigenen Systemen. Neben diesen unterschiedlichen zeitlichen Einflüssen spielt es aber auch eine grosse Rolle, dass Morihei unterschiedlichen Schülern unterschiedliche Techniken oder unterschiedliche Versionen der gleichen Technik beibrachte. Zum Thema die richtige Technik' hier ein kleines Zitat von ihm: ,,Die Techniken von heute werden morgen schon anders sein. Wenn Aikido wahrhaftig in Deinem Herzen ist, dann - und nur dann - wirst Du die Techniken korrekt ausführen.´ (Quelle: Stevens, John: Shambhala Guide to Aikido). Bei der Technik handelt es sich mehr um eine Form, die von der Persönlichkeit des Schülers auszufüllen ist, so dass bei unterschiedlichen Schülern des Begründers eben unterschiedliche Ansätze herauskamen, die sich teilweise zu eigenen Stilen herauskristallisierten. Die bekanntesten Stile sind: einfach nur Aikido (Aikikai) Der Aikikai ist eigentlich kein Stil sondern der von der Familie des Begründers geleitete Aikido-Verband mit Hauptsitz in Tokyo. Technisch geprägt wurde diese Richtung nach dem Tode von Morihei Ueshiba zunächst von Koichi Tohei, der jedoch nach einigen Differenzen den Aikikai verließ und seinen eigenen Stil (Shin Shin Toitso Aikido) und Verband (Ki no Kenkyukai) gründete. Kisshomaru Ueshiba, der Sohn von Morihei, übernahm als Doshu (Führer des Weges) die technische Leitung. Nach dem Tode Kisshomarus 1999 liegt die Leitung nun in den Händen von seinem Sohn Moriteru Ueshiba. Neben dem Aikikai gibt es auch einige andere Verbände, die diese Art des Aikido betreiben. Diese Ausrichtungen gehen meist auf Schüler Moriheis zurück, die in den letzten 10-15 Jahren seines Lebens bei ihm trainierten. Diese Richtungen sind mit den weichen, fließenden und oft weitläufigen Bewegungen wohl diejenigen, mit dem der Begriff Aikido typischerweise assoziiert wird. In Deutschland findet man diese Richtungen in verschiedenen Verbänden wieder, z.B.: + Aikikai Deutschland - http://www.aikikai.de/ Angeschlossen an das Aikikai-Zentraldojo der Familie Ueshiba in Tokyo (http://www.aikikai.org/), technisch geleitet von Katsuaki Asai. + Bund Deutscher Aikido-Schulen Verband der kommmerziellen Aikido-Schulen, der sich vom Aikikai Deutschland abspaltete, sich aber technisch immer noch am Aikikai-Zentraldojo orientiert. + Deutscher Aikido-Bund e.V. - http://www.aikido-bund.de/ Unabhängiger Verband, der von Gerd Wischnewski und Andrè Nocquet (beides Schüler von Morihei Ueshiba) technisch geprägt wurde. Der DAB vertritt das Aikido im Deutschen Sportbund, nachdem der Versuch eines Dachverbandes Deutscher Aikido-Verbände scheiterte. + Freie Deutsche Aikido-Vereinigung Verband, der sich an Christian Tissier, Frankreich, orientiert. Tissier selbst ist Vertreter des Aikikai-Zentraldojo. Takemusu (Iwama-ryu) Morihiro Saito war langjähriger Schüler von Morihei Ueshiba in dessen Dojo in Iwama, das er nach dem Tode Moriheis übernahm. Die Ausrichtung Saitos ist als Takemusu oder auch Iwama-ryu Aikido bekannt. Im Takemusu Aikido werden die Bereiche Aiki-Ken (Arbeit mit dem Schwert) und Aiki-Jo (Arbeit mit dem Stab) im Vergleich mit anderen Schulen sehr stark betont. Die ersten Bewegungen, die man lernt, wirken zunächst statisch, die Ausbildung hat aber auch die bekannten flüssigen Bewegungen als Ergebnis. In Deutschland gibt es verschiedene unabhängige Schulen, in denen Iwama-ryu Aikido praktiziert wird. Tendo-ryu Kenji Shimizu war einer der letzten Schüler von Morihei Ueshiba und wurde so geprägt durch die sehr weichen Bewegungen der letzten Jahre des Begründers. Nach dessen Tod begründete er seinen eigenen Stil, eben Tendo-ryu. Tendo bedeutet dabei soviel wie ,,himmlischer Weg''. In Deutschland wurde Tendo-ryu zunächst von der Sektion Aikido im Deutschen Jûdô-Bund ausgeübt, nachdem die meisten Aikidoka diesen verlassen und den Deutschen Aikido-Bund gegründet hatten. Nachdem der Deutsche Jûdô-Bund sich jedoch entschlossen hatte, nur noch Jûdô zu betreuen, wurde ein eigener Verband gegründet, der Tendo-ryu Aikido-Verband. Tomiki-ryu Kenji Tomiki hatte zunächst einige Jahre Jûdô bei Jigoro Kano gelernt, bevor er als Schüler zu Morihei Ueshiba kam. Später entwickelte Tomiki eine Synthese aus beidem und nannte sein System Tomiki-ryu Aikido. Dies ist der einzige mir bekannte Stil, in dem auch Wettkämpfe betrieben werden. In Deutschland ist dieser Stil nicht vertreten. Shin Shin Toitso (Ki-Aikido) Nachdem Koichi Tohei den Aikikai verlassen hatte, gründete er seinen eigenen Verband, den Ki no Kenkyukai und seinen eigenen Stil, das Shin Shin Toitso Aikido (Aikido in Einheit von Körper und Geist). Dieser Stil konzentriert sich sehr auf die Vorstellung und Entwicklung von Ki, der inneren Energie. Die Technik-Ausführung ist sehr weich. Auch in Deutschland gibt es einige Vereine, die diesen Stil betreiben, siehe http://www.ki-aikido.de/. Yoshinkan Der inzwischen verstorbene Gozo Shioda war in der Vorkriegszeit ein langjähriger Schüler Morihei Ueshibas, wollte jedoch dessen Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg nicht mitmachen und verselbständigte sich mit seinem Stil. Dieses `alte Aikido' stellt einen sehr effektiven Selbstverteidigungsstil dar und wird z.B. von der Tokyo Riot Police (Sondereinsatzkräfte) trainiert. In Deutschland gibt es auch einige Schulen, die diesen Stil praktizieren. Zum Aikido gibt es auch eine Mailingliste in deutscher Sprache. Informationen dazu sind im WWW unter http://www.aiki.de/foren/aikido-ml/ verfügbar. Weiterhin gibt es die AikiMedia-Datenbank mit Aikido-Büchern und -Videos in verschiedenen Sprachen unter http://www.aiki.de/media/ Jeder Besucher kann zu jedem Buch bzw. Video seinen Kommentar in den Datenbestand einfügen. 3.2 Filipino Martial Arts Kali, Escrima oder Arnis (KEA) sind die heute am häufigsten verwendeten Begriffe für eine Kampfkunst, die sich im Laufe der Jahrhunderte auf den Phillippinen entwickelt hat. Unabhängig vom Namen haben alle Stilrichtungen eine Idee gemeinsam. Eine Waffe in der Hand ist nur eine Verlängerung des Arms. Egal, womit ein Angriff ausgeführt wird, sei es ein Schwert, ein Stock, ein Messer, ein Tritt oder eine Faust, sie alle müssen einem bestimmten Winkel folgen. Wer diese Kunst betreibt, lernt die Winkel zu erkennen, zu beherrschen und sich dagegen zu verteidigen. Es wird schnell offensichtlich, daß es einfacher und gefahrloser ist, sich mit einer Waffe zu verteidigen. Mit der Verbesserung des Könnens kann man diesen Vorteil auch mit immer kürzeren Waffen aufrecht erhalten, bis man schließlich ohne Waffe das gleiche Ergebnis erzielt. Darum beinhalten die FMA nicht nur den Umgang mit Waffen, sondern auch waffenlose Elemente wie Sikaran (Trittechniken), Panantukan (Boxtechniken) oder Dumog (Ringen). Zu all diesen Selbstverteidigungs bezogenen Aspekten, wird in FMA auch tänzerriche, den Körperkoordination fördernde Bewegungen (Carensa -Schattenboxen) unterrichtet. 3.3 Gojutedo Gojutedo ist ein Kampf- und Fitness-System, das im Saarland entstanden ist und seit Anfang 1998 in Saarlouis unterrichtet wird. Gojutedo wird in zwei Bereiche unterteilt: Fitness-Training: Zum Fitness-Training gehören Stretching, Kraft-Training, Gojutedo-Aerobic und Ausdauer-Kickboxen (am Sandsack und mit Partner). Kampf-Training: Beim Kampf-Training werden Schläge, Tritte, Würfe und Bodentechniken trainiert. Aber nicht nur waffenlose Techniken werden trainiert, auch Stock (KAE) und Messerkampf sind ein fester Bestandteil des Gojutedo-Trainings. Weitere Informationen gibt es auf der Gojute-do Homepage unter http://www.gojutedo.de/. 3.4 Hapkido Das Ziel von Hapkido ist die Harmonisierung von Körper und Geist, wobei dieses Ziel durch koordinierte Bewegungen des gesamten Körpers erreicht wird. Es enthält Elemente etlicher anderer Kampfsportarten. Die Techniken reichen von Tritten und Stößen über Würfe und Hebeltechniken bis zum Stock-, Messer- und Schwertkampf. Hapkido ist primär eine Selbstverteidigungs-Sportart. Neben der sportlichen Komponente stehen Meditation, Atemübungen und die Heilung (z.B. durch Akupunktur oder Akupressur) im Vordergrund. 3.5 Iaidô Der Name setzt sich aus den folgenden Silben zusammen: ,,i'': anwesend sein, sich aufhalten, das ,,sein'' an sich ,,ai'': passend sein, Harmonie, harmonisieren mit, zusammensein ,,dô'': `Weg' im Sinne von Lebenseinstellung oder Ziel Iaidô bedeutet, im Weg des Schwertes nicht dem Ergebnis Bedeutung zu geben, sondern der vollendeten Durchführung. Eine wörtliche Übersetzung gibt es nicht, jedoch sagte ein Japaner, das Kanji für i-ai könne in diesem Falle mit ,,Der Moment des Zusammentreffens (mit dem Gegner) in Vollendung'' umschrieben werden. Der Name dieses speziellen Japaners ist leider nicht übermittelt. Grob gesagt ist Iaidô der Scheinkampf mit einem plötzlich angreifenden imaginären Gegner. Man verharrt in der Ruhe, findet also seine innere Leere und meditiert gewissermaßen. Dann wird/werden ein/mehrere unsichtbare Angreifer mit dem blitzschnell gezogenen Schwert abgewehrt, das Schwert in die Scheide zurückgesteckt und der Kämpfer findet zurück zu seiner inneren Ruhe. Iaidô ist nicht dazu da, um den Schwertkampf zu lernen, sondern eine Art körperlich anspruchsvoller Entspannung, die neben der körperlichen Komponente (Beherrschung des Schwertes und der Körperbewegungen beim Kampf) auch eine geistige Komponente (,,Leere'', also geistiges ,,Loslassen'' und Konzentration) schaffen soll. Das Schwert ist eine möglichst genaue Nachbildung mittelalterlicher Samuraischwerter (Katanas), die aber nicht geschliffen ist (iaitô, ,,tô'' = Schwert, also ,,Schwert für Iaidô'') und mit dem rituellen Respekt behandelt wird, der einem Samuraischwert zukommt. Getragen wird bei diesem Sport die Hakama (klassischer japanischer Reiter-Hosenrock) und Keiko-Gi (ähnlich einer Jûdôjacke), sowie der Obi, eine Art gewickelter Gürtel. 3.6 Jeet Kune Do Jeet Kune Do ist die Kampfkunst und Philosophie, die Bruce Lee Mitte des letzten Jahrhunderts entwickelte. Bruce Lee erfand mit Jeet Kune Do (JKD) keinen neuen Kung Fu- oder Karatestil, noch versuchte er alte Kampfstile zu erneuern. Seine Idee war es, die Schüler davon zu befreien, an Stilen und festgelegten Formen festzuhalten. Im Unterschied zu vielen anderen Kampfkünsten gibt es daher keine festgelegte Techniken oder Regeln, die dem JKD eine greifbare Form geben. JKD basiert auf einer Reihe von Konzepten, die stilübergreifend den Schüler ermöglichen soll, sich in jeder Lage selbst zu verteidigen. Effektivität und Einfachheit sind die leitenden Prinzipien. Nach Lee, hängt die Effektivität verschiedener Kampfstile von den jeweiligen Umständen und der Kampfdistanz ab. So kann JKD je nach Situation z.B. dem Wing Chun, dem Thaiboxen oder dem Jûdô ähneln. In JKD-Einheiten lernst Du dich fließend durch alle Kampfdistanzen zu bewegen und dabei Techniken und Methoden aus dem Jun Fan Gung Fu sowie aus den anderen Kampfkünsten wie z.B. Savate, Thaiboxen, Boxen, Kali und Bodenkampf einzusetzen. Neben den verschiedenen Techniken wirst Du vor allem Erfahrungen in den unterschiedlichen Kampfkünsten sammeln und dabei Deinen eigenen Weg finden. 3.7 Jûdô Die Ursprünge des Jûdô liegen im Jiu-Jitsu des alten Japan. Mit 18 Jahren begann ein gewisser Jigoro Kano (1860-1938) das Studium dieser traditionellen und durch die Samurai geprägten Kampfkunst. Jigoro Kano suchte aus verschiedenen Jiu-Jitsu-Stilen Techniken zusammen, die sich zum sportlichen Zweikampf eigneten. 1882 Gründete er den Kodokan, wo er diese entschärfte Version lehrte. Er nannte diese neuen Sport Jûdô (,,der sanfte Weg''). Er entwickelte aus der Kampfkunst einen Kampfsport, der Schwerpunkte in der Einheit von Körper und Geist, Ausbildung und Erziehung haben sollte. Bereits 1887 war fast ganz Japan ergriffen von seinem System der Leibeserziehung und des Zweikampfes. Seit 1964 ist es sogar eine der Olympischen Sportarten. 3.7.1 Prinzip ,,Siegen durch Nachgeben'' beschreibt das Prinzip des Jûdô, welches sich der Kräfte des Gegners zunutze macht. Jûdô erfordert in der Regel das Ergreifen des Gegners, deshalb werden Kämpfe immer in der Nahdistanz ausgeführt. Schläge und Tritte sind neben anderen Techniken aus dem Jûdô entfernt worden, um einen sportlichen Wettstreit ohne besondere Schutzausrüstung mit ,,Vollkontakt'' zu ermöglichen. Wettkämpfe sind daher konditionell eher anspruchsvoll, wobei Verletzungen dennoch seltener vorkommen als in vielen anderen Sportarten. Gegenseitige Rücksichtnahme sind ein Teil der Lehre und Wettkämpfe sind natürlich keine Pflicht. Sofern eine unbekannte, bzw. neue Technik nicht den Prinzipen des Jûdô widerspricht, ist diese auch legitim, was eine Weiterentwicklung des Systems ermöglicht. 3.7.2 Ziele Jûdô ist förderlich im Bereich der Körperkoordination, der Reaktionsschnelligkeit, der nützlichen Fähigkeit gekonnt zu fallen und der körperlichen Fitness. Weiterhin besitzt die Ausübung dieses Sport positive soziale Aspekte, wie den Abbau von Berührungsängsten, dem Erlernen von Verantwortung gegenüber dem Partner, miteinander und voneinander zu Lernen und weiteren charakterbildenden Eigenschaften. Jeder übt mit Jedem, auch der Anfänger mit dem Fortgeschrittenen und die Frauen mit den Männern. Ein Grund Jûdô auszuüben ist der Spass an an der Sache, auch und erst recht als Erwachsener. Die Möglichkeit der Selbstverteidigung durch Jûdô ist zwar nur ein Nebenaspekt, der jedoch nicht unterschätzt, aber auch nicht überschätzt werden sollte. 3.7.3 Graduierungen Die vorgeschriebene Bekleidung ist der Jûdôgi, bestehend aus einer stabilen Hose, einer reissfesten Jacke, beides traditionell in weiß, und dem Gürtel. Die Graduierungen, bzw. Gürtelfareben reichen vom weißen zum gelben, über den orangen, grünen, blauen, braunen (Kyugrade) und mehreren schwarzen bis zum rot-weißen und sogar roten Gürtel (Dangrade). Später sind noch drei Zwischengürtel in den kleinen Kyugraden eingeführt worden. Das Erreichen des ersten schwarzen Gürtels ist etwa nach 5 Jahren möglich, wenn man fleißig trainiert und sich dessen auch durch Prüfung würdig erweist. Zur Zeit (2000) existieren nur zwei lebende Träger des 10. Dan, welche beide ausnahmsweise nicht Japaner sind. 3.7.4 Techniken Jûdô beinhaltet den Stand-, wie auch den Bodenkampf. Neben den vielfältigen Würfen (über 90 Techniken, 40 davon gehören zur soganennten Gokyo, die Teil des Lehrsystems ist) werden Festhaltetechniken am Boden und zahlreiche Hebel-, sowie Würgetechniken gelehrt und eingesetzt. Die Hebeltechniken sind beschränkt auf den Angriff auf das Ellenbogengelenk sowie die Schulter, was bedeutet, daß weder Fuß-, Bein-, Finger- Handgelenk-, noch Genickhebel erlaubt sind. Hier wäre eine Verletzung auf Wettkampfebene wohl zu schwer auszuschließen. Dennoch sind von den erlaubten Hebeltechniken und dessen Varianten (über 30) viele sehr effektiv. Die Würgegriffe (über 25), in der Regel mit dem Kragen der Jacke ausgeführt, klemmen die Luftröhre ab und unterbrechen hauptsächlich die Blutversorgung des Gehirns, was die schnelle Wirkung dieser Techniken erklärt. Zum Jûdô gehören auch verschiedene Katas, also festgeschriebene Bewegungsabläufe, bei denen es auf die Exaktheit der Ausführungen ankommt. Hier werden teilweise auch weiterhin Techniken angewandt, die im Wettkampf verboten und eher zu Selbstverteidigungszewcken geeignet sind. Dazu gehört auch die Abwehr verschiedener Waffen. 3.7.5 Wettkampf Ein Wettkampf geht über effektiv 5, bzw. 4 Minuten und das Ziel ist es, den Gegner ausreichend stark oder oft zu werfen oder ihn zur Aufgabe, z.B. durch Abklopfen angezeigt, zu zwingen. Kämpfe, die z.B. nach einem Wurf am Boden weitergeführt werden, werden nach meist relativ kurzer Zeit vom Kampfrichter unterbrochen und im Stand erneut freigegeben. Ein starker Wurf des Gegners auf seinen Rücken hat einen vollen Punkt (Ippon) als Wertung zur Folge und bedeutet den sofortigen Sieg. Für weniger gelungene Würfe gibt es kleinere Wertungen, wie den Waza-ari, den Yuko und den Koka, der kleinsten Wertung. Eine hohe Wertung ist immer mehr Wert als viele kleine und zwei Waza-ari gelten als Ippon. Festhaltetechniken am Boden werden ebenfalls so bewertet, je nach Dauer der Ausführung (bis 25 sek. = Ippon). Mögliche ebenso verschieden starke Bestrafungen werden dem Nichtbestraften als entsprechende Wurfwertung gutgeschrieben. Spätestens am Ende der Kampfzeit entscheidet die Höhe der Wertungen über Gewinner und Verlierer. Bei Wertungsgleichheit wird durch die unabgesprochene Meinung der drei Kampfrichter, die sich jeweils für einen Gewinner entscheiden müssen, ein Kämpfer zum Sieger erklärt. Es gelten verschiedene Gewichtsklassen für Männer und Frauen in denen gekämpft wird. 3.7.6 Stimmt es, dass ein Deutscher maßgeblich an der Entwicklung des Jûdô beteiligt war? Die Geschichte Der deutsche Medizinprofessor Erwin Baelz war Dozent an der kaiserlichen Tokyoer Universität. Da ihm die Faulheit seiner japanischen Studenten sorgen machte, suchte er nach einer Methode der körperlichen Ertüchtigung. Zum Anfang versuchte er es mit dem Turnen (a' la Turnvater Jahn). Dies hatte aber in Japan nicht den erwünschten Erfolg. So stieß er auf das Jiu Jitsu. Um die Gesundheit seiner Schüler zu schonen, sonderte er hier erst mal alle lebens- und gesundheitsgefährdenden Techniken aus. Einer seiner eifrigsten Schüler war dann Jigoro Kano. Der Professor konnte sein Lebenswerk nicht ganz vollenden. Dies übernahm dann Jigoro Kano. Die Meinung dazu Vielfach - auch hier in der Newsgruppe - sind Leute allerdings der Meinung, dass in der Geschichte nicht viel Wahres enthalten ist und sie in das Reich der Urban Legends gehört. Das liegt vor allem daran, dass sie ausserhalb Deutschlands nicht sonderlich geläufig ist. Bemerkenswert ist weiterhin, dass weder Jigoro Kano, noch Erwin Baelz den jeweils anderen in ihren Niederschriften erwähnen. Ein verhältnismäßig starker Einfluß von Baelz auf Kano wird dadurch nicht gerade wahrscheinlicher. 3.8 Ju Jutsu Ju Jutsu ist eine relativ neue Selbstverteidigung. Es wurde 1969 von hochgraduierten Dan-Trägern aus dem Jiu Jitsu heraus entwickelt, enthält aber auch Elemente aus dem Karate, Jûdô und Aikido. Ju Jutsu ist legt einen besonderen Schwerpunkt auf Abwehrtechniken. Dieses wird auch durch den Namen zum Ausdruck gebracht. ,,Ju'' bedeutet nachgeben oder ausweichen, ,,Jutsu'' Kunst oder Kunstgriff. Ju Jutsu ist somit definiert als die Kunst, durch Nachgeben bzw. Ausweichen mit der Kraft des Angreifers zu siegen. Im Ju Jutsu werden Würfe, Schlag- und Bodentechniken eingesetzt. Hierbei liegt eine besondere Betonung allerdings auf den Würfen und Festhalten. Die Praxistauglichkeit als Selbstverteidigung ist gut daran zu erkennen, daß Ju Jutsu zum Pflichtprogramm in der Polizeiausbildung in Deutschland gehört. 3.8.1 Was ist der Unterschied zwischen Ju Jutsu und J(i)u Jitsu? Ju Jutsu, Jiu Jitsu und Ju Jitsu sind Namen, die alle die gleichen japanischen Schriftzeichen tragen. Es ist auch so, daß es in Japan hier keine Unterschiede gibt. Eine Unterscheidung gibt es vor allem im deutschsprachigen Raum. So sind z.B. im Jiu Jitsu die Begriffe oftmals eingedeutscht. Weiterhin gibt es kleinere Unterschiede in den einzelnen Prüfungsprogrammen. So sind im Ju Jutsu die Techniken, die zu zeigen sind, vorgeschrieben. Beim Jiu Jitsu hingegen ist nur der Angriff vorgegeben und die Abwehr kann in gewissen Grenzen vom Prüfling frei gewählt werden. Vom historischen Standpunkt aus gesehen, ist Jiu Jitsu eine eigenständige, alte Kampfsportdisziplin. Später sind aus dieser z.B. das Jûdô und das Aikido entwickelt worden. Ju Jutsu hingegen ist relativ neu und hat seine Ursprünge im Jûdô, Karate und Aikido. 3.8.2 Wie sehen die Wettkämpfe im Ju Jutsu aus? Es gibt drei Kampfsysteme: 1. Fighting: Halbkontakt (Fuß- und Handschutz); Schlagen, Werfen, Hebeln erlaubt 2. Duo: Techniken werden in Perfektion mit einem festen Partner gezeigt. Es kommt einer Show sehr nahe. 3. Formenwettkampf: Wie bei einer Budogala ist hier alles erlaubt. Es werden die Show und die Techniken bewertet. 3.9 KarateDo Die Ursprünge des KarateDo reichen in etwa bis in das 5. Jahrhundert zurück. Es waren chinesische Mönche, die im Laufe der Zeit aus gymnastischen übungen ihre spezielle Kampfkunst zum Zwecke der Selbstverteidigung entwickelten. Nun, diese Herkunft und die darauf basierende fernöstliche Philosophie spiegeln sich auch im heutigen KarateDo noch wieder. Das Wort "KarateDo" heißt übersetzt so viel wie "Der Weg der leeren Hand." Dies' bedeutet zum einen, daß der Karateka (Karatekämpfer) waffenlos ist, sozusagen mit leeren Händen kämpft. Die durch das "Kara" bezeichnete Leere bedeutet aber auch, daß der Karateka innerlich "leer" ist, d.h. seinen Geist von negativen Gedanken und Gefühlen befreit, um in allen sich bietenden Situationen angemessen (beherrscht) handeln zu können. Der sportliche Aspekt des KarateDo beschränkt sich im wesentlichen auf Fuß- und Fauststöße. Diese werden vor dem Auftreffen abgestoppt. Dieses erfordert ein erhebliches Maß an Selbstdisziplin und Körperbeherrschung, spiegelt aber auch ein gesundes Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Partner wider. KarateDo stellt somit vielseitige Anforderungen an Körper und Geist. Der Karateka trainiert Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit auf der einen Seite, lernt aber auch einiges über Atemübungen und Meditation. Es gibt einige grundsätzliche Unterteilungen im KarateDo: Kata bezeichnet die Abfolge genau festgelegter Angriffs- und
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